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Ding, ding, ding!
In der einen Ecke: ein Übersetzer – ein leidenschaftlicher, enthusiastischer, aber dennoch besonnener Sprachexperte. In der anderen Ecke: eine Maschine – im Eiltempo ausgebildet, stark und selbstbewusst. Das Wortgefecht kann beginnen!

Runde 1: Genauigkeit
Der Übersetzer bleibt gefasst; er nimmt sich Zeit und umläuft den Ring. Er weiß, dass er die Grundsätze dieser hohen Kunst beherrschen muss, um sich im Kampf behaupten zu können. Seine erste Herausforderung: Kontext. Ein grundlegendes Konzept, dem er seine volle Aufmerksamkeit widmet und es so zu seiner Geheimwaffe und einem entscheidenden Vorteil gegenüber seinem Gegner macht. Er erinnert sich an die Worte seines Trainers: der Fokus liegt auf Technik und Präzision, erst danach kommt die Kraft ins Spiel.

Die Maschine hingegen ist bereits voll im Kampfmodus, wie ein Roboter, der auf Angriff und Vorstoß programmiert ist. Oh, stimmt ja, die Maschine ist ein Roboter. Fast vergessen! Es ist klar, dass der Übersetzer hier einen Punkt holt.

Runde 2: Geschwindigkeit und Effizienz
Der Übersetzer ist präzise, aber lässt sich Zeit. Ein gut übersetztes Dokument durchläuft einen sorgfältigen Prozess – Inhalt verstehen, die richtigen Worte wählen, strukturieren, überdenken, umformulieren, prüfen, nachlesen. Der Übersetzer ist sich seiner Rolle als Vermittler bewusst, sodass er es sich nicht leisten kann, Dinge zu überstürzen. Er versteht sein Handwerk als wahrer Sprachkünstler.

Die Maschine auf der anderen Seite kümmern diese Sachen gar nicht. Sie wird nie müde und zögert nie. In Sekundenschnelle ergießen sich die Worte wie ein Wasserfall. Wenn Zeit Geld ist, kann die Maschine riesige Mengen an Text durchforsten, was je nach Thema ein unbestreitbarer Vorteil ist. Dieser Punkt geht an die Maschine.

Runde 3: Kulturelle Adaptation
Der Übersetzer gewinnt wieder die Oberhand – in diesem Bereich kann er glänzen. Meisterlich kann er kulturelle Nuancen erkennen und umsetzen. Seine Schläge sitzen. Ein Witz? Er landet einen Volltreffer! Eine historische Referenz? Hier kommt der nächste Haken! Ein Sprichwort? Der Gegner hängt in den Seilen! Der Übersetzer strotzt vor Kreativität, wird immer selbstsicherer, behauptet sich und genießt sichtlich den Kampf. Dann plötzlich – ein Wortspiel! Jetzt ist es Zeit für einen Aufwärtshaken. Der Erfolg seiner Anstrengungen wird sichtbar, er spürt die Wirkung seiner Schläge und weiß, dass er ins Schwarze trifft.

Die Maschine? All das ist zu viel für sie. Ihre Schläge sind unbeholfen und wenig wirkungsvoll. Wortspiele sind ein Minenfeld. Witze produzieren nur Unsinn. Historische und kulturelle Referenzen werden zu Wirrwarr. Sie hat nur eine Verteidigung gegen ihren erbitterten Gegner – einen starren, wortwörtlichen Ansatz. Ein sicherer Punkt für den Übersetzer.

Runde 4: Verfügbarkeit
Der Übersetzer muss in Topform sein, um eine Topleistung zu liefern. Um starke Treffer landen zu können, braucht er Zeit, um sich zu erholen. Er kann nicht ständig im Ring sein. Nicht weil er das nicht will, sondern weil er einfach keine Maschine ist.

Die Maschine hingegen ist immer bereit. Das ist ihre Stärke. Sie ist überall und zu jeder Zeit verfügbar und weiß, dass sie ein unschlagbares Werkzeug ist, wenn das Budget eng bemessen ist. Diese Verfügbarkeit ist der Grund, warum sie überhaupt in diesem Ring steht. Der Punkt geht an die Maschine.

Runde 5: Kreativität und Emotion
Der Übersetzer legt einen Zahn zu. Er spürt die Emotionen hinter seinen Worten, versteht die ursprüngliche Absicht und befreit sich von grammatikalischen und strukturellen Zwängen. Er lächelt und nickt dem Autor zu als würde er sagen „Alles klar, hab verstanden!“. An dieser Stelle wächst der Übersetzer über sich hinaus – aus dem Kämpfer wird ein Stratege. Um einen KO-Schlag zu landen, muss er seinen Worten Leben einhauchen… eine große Herausforderung!

Und die Maschine? Sie hat keine Seele. Obwohl sie Worte einwandfrei wiedergibt, kann sie nicht deren Schönheit und Emotion erfassen. Sie stellt etwas her ohne es zu formen. Sie ist effizient, aber leblos. Sie überträgt, aber spricht nicht an. Sie bleibt dem Ursprung treu und betrügt irgendwie trotzdem. Und dennoch bleibt sie beharrlich, auch wenn sie schlussendlich keine Chance hat. Ein weiterer Punkt für den Übersetzer.

Kein Sieg nach Punkten
Am Ende wird klar, dass dieser Kampf zwischen Mensch und Maschine zu keinem Ende kommt. Aber muss es wirklich einen Sieger geben? Und ist es tatsächlich ein Kampf? Wenn es einer ist, ist er dann fair? Jeder Ansatz hat sicher seine Stärken und Schwächen, aber eine Maschine, die völlig emotionslos ist, kann die Seele eines Textes nicht erfassen. Sie kann nicht über eine subtile Nuance lächeln oder den Adrenalinschub spüren, wenn ein Wortspiel geglückt ist, und sie kann definitiv nicht erkennen, wenn sich der Ton innerhalb eines Textes ändert.

Für bestimmte Textarten ist die Maschine geeignet, aber eines ist klar: sie kann in der Welt des Übersetzens nicht allein bestehen. Das Übersetzen ist eine vielschichtige Kompetenz, man braucht mehr als nur ein Ass im Ärmel und muss mehrere Fähigkeiten und Strategien gleichzeitig jonglieren. Die Maschine unterstützt, aber sie ersetzt den Übersetzer nicht. Sie ist einfach nur eines von vielen Werkzeugen im Toolkit eines Übersetzers, wenn auch zweifellos ein starkes und beeindruckendes.

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